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MELA KALTENEGGER

MELA KALTENEGGER


Mela Kaltenegger kreiert chromatisch frische Bildwelten im Medium der Malerei, in denen Witz, Ernst, Ironie und Hintergründigkeit unbekümmert aufeinandertreffen. Obwohl ihr nonchalanter, graphischer Duktus den Eindruck erweckt, als seien die Szenen nur flüchtig gemalt, bestehen die Gemälde aus zahlreichen, sorgfältig aufgetragenen Schichten in Eitempera, die die Künstlerin selbst herstellt.

Ihr Augenmerk gilt der Darstellung von Frauen, die sich märchenhaft schwebend im Wasser befinden, in freier Natur einen Handstand vollführen, sich auf dem Sofa ausruhen oder bei heruntergelassenem Höschen unter Bäumen pinkeln. Zu ihnen gesellen sich nicht selten Tiere – u.a. Pferde, Fische, Hunde, Eisbären oder Hasen – und die Protagonistinnen erscheinen mit dem wiederkehrenden Attribut der Stöckelschuhe oder Stiefel in Rot, die in Anlehnung an Hans Christian Andersens Märchen Die roten Schuhe (1845) als ein Symbol für Freiheit und Rebellion, aber auch für Sinnlichkeit und Verführung gelesen werden können.

Den Kompositionen Kalteneggers wohnt ein Charakter des Augenblicks mit dem Spektrum unzähliger möglicher Entwicklungen inne. Dies unterstreichen die mit Bedacht gewählten Bildtitel. Sie geben eine Richtung vor, ohne zu viel zu offenbaren und lassen dem Rezipienten genügend Raum für Assoziationen: „Welche Möglichkeiten sich ergeben, kann der Betrachter der Akteure, Orte, Dinge und Umstände selbst abwägen“ (Mela Kaltenegger 2017).

Nebst zu Pinsel und Leinwand greift Kaltenegger zu Nadel und Faden. Sie lässt zwei- und dreidimensionale, textile Objekte entstehen. Ihre Skulpturen aus Innenfliess, die Köpfe von Tieren oder Alltagsdinge in Lebensgrösse darstellen, haben Symbolgehalt: Das Pferd als Ansprechpartner, der immer Rat weiss, oder der Hund als treuer Freund und Begleiter. Die farbigen Nähte, die sichtbar bleiben, ziehen Linien, deren Enden frei herunterhängen und die formale Fassung der Figur bestimmen. Die jeweilig verwendete Farbe akzentuiert deren symbolische Bedeutung. Die weiche, fliessende Oberfläche und die nach unten frei verlaufenden Fäden sprechen den Tastsinn an: Das Auge des Betrachters verlegt sich in die Fingerspitzen.

Die 1965 in Wien geborene Mela Kaltenegger studierte Malerei und Grafik an der dortigen Akademie der Bildenden Künste bei Gunther Damisch. Sie ist Mitglied des 2002 in Wien gegründeten Künstlerinnenkollektivs “Die 4 Grazien”, das mit Malerei, Performance, Fotografie und Videokunst eine „subtile, selbstironische Kritik an traditionellen Bildern von Mann und Frau“ (Die 4 Grazien 2002) formuliert. Kalteneggers Arbeiten sind regelmässig auf Messen und in Ausstellungen in Europa zu sehen. Ihre Werke befinden sich in diversen privaten und öffentlichen Sammlungen wie dem Museum Leopold in Wien, der Kulturabteilung der Stadt Wien (MUSA) oder der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB).



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